Neue Klappen und Ventile
«Instrumente von Messing nach neuestem Geschmack» – so warben die «Gebrüder Hirsbrunner» 1819 in einer Zeitungsannonce. Sie führten einen Drechslerbetrieb in Sumiswald, 20 km von Bern, und stellten Klarinetten und Flöten her.
Nun begannen sie also auch Blechblasinstrumente, Trompeten, Hörner und Posaunen, zu bauen und konnten somit Blasmusiken vollständig ausrüsten, inklusive Fagotte und Schlaginstrumente. Bestellungen kamen von weit her, sogar aus Italien.
Wer konkurrenzfähig bleiben und «nach neuestem Geschmack» bauen wollte, musste mit den technischen Entwicklungen im Instrumentenbau Schritt halten. Zusätzliche Klappen an Flöten und Klarinetten oder die neuen Blechblasinstrumente mit Klappen wie die Ophikleide gehörten dazu. Rasch übernahmen Hirsbrunners auch die jüngste Erfindung: Ventile für Blechblasinstrumente. Schon 1829 bauten sie Trompeten mit Wiener Ventilen, später solche mit französischen Pistons oder mit Drehventilen.
Die Firma Hirsbrunner zählte schweizweit bald zu den wichtigsten Herstellern von Blasinstrumenten. Über acht Generationen und 200 Jahre waren 19 Familienmitglieder in diesem Metier tätig. Ab 1880 stellte die Firma ausschliesslich Blechblasinstrumente her. Im 20. Jahrhundert waren ihre Tuben besonders beliebt.
Hirsbrunners Konkurrenten in Bern im 19. Jahrhundert waren die Holzblasinstrumentenmacher Felchlin sowie für Blechblasinstrumente Christian Häfelen-Schenk (aktiv: 1836–1860, er war wohl ein Hirsbrunner-Schüler) und Johannes Hertig (aktiv: 1848–1878).


Preisliste Hirsbrunner, Umschrift


English translation


Stammbaum der Instrumentenmacherfamilie Hirsbrunner
19 Familienmitglieder Hirsbrunner waren als Instrumentenbauer tätig. Die erste Firma, «Gebrüder Hirsbrunner», war in Sumiswald tätig (blau). In der dritten Generation trennte sich Johann Ulrich 1847 und gründete die eigene Firma in Grünen bei Sumiswald (grün). Sein Sohn Friedrich zog 1900 zurück nach Sumiswald in die ehemalige Uhrenfabrik, wo die Firma bis fast heute tätig war. Johann Ulrichs anderer Sohn Jakob wiederum gründete 1870 eine eigene Firma in Aarau (rot), die über drei Gerationen bis 1965 existierte.



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