ORCHESTERINSTRUMENTE IM 19. JAHRHUNDERT

Hector Berlioz sei «seit drei Jahren sterbens verliebt» und dieser Leidenschaft verdanke das Publikum diese «wilde Symphonie», so Heinrich Heine. 26-jährig war Berlioz, als er 1830 mit der «Symphonie fantastique» ein Schlüsselwerk der Romantik schuf. Sie ist Programmmusik und schildert die Gefühle eines unglücklich Verliebten von Euphorie bis zu wahnhaften Vorstellungen der eigenen Hinrichtung und eines Hexensabbats.

Erst nachdem die Angebetete, die Schauspielerin Harriet Smithson, die «Symphonie fantastique» mit dem aufgewühlten Komponisten an der Pauke gehört hatte, beantwortete sie seine Briefe und heiratete ihn später auch.

Die ausgestellten Instrumente wurden in Frankreich um 1830–1870 gebaut, zur Zeit Berlioz'. Zahlreiche technische Innovationen veränderten die Blasinstrumente damals wesentlich. Die Holzblasinstrumente verfügten neu über zusätzliche Klappen. Für die Flöte schuf Theobald Böhm nach akustischen Prinzipien eine gänzlich neue Mechanik, die sich als «Böhmflöte» letztlich allgemein durchsetzte. Die Blechbläser konnten dank neuer Ventile und Klappen und Stopftechnik alle Töne spielen.

Berlioz setzte moderne neben traditionellen Instrumenten ein: Cornets mit Ventilen und Ophikleiden mit Klappen neben ventillosen Naturtrompeten und -hörnern (die «stopfen», d.h. mit der Hand im Becher Töne verändern konnten).

Ausserdem fanden Spezialinstrumente wie Piccolo, Englischhorn, Bassklarinette, Kontrafagott, Cornet, Ventilposaune oder Wagnertuba sowie neue Schlaginstrumente Eingang ins Orchester und erweiterten dessen Klangfarbenpalette wesentlich.

Titelbild: Hector Berlioz und seine grossen Orchesterbesetzungen waren oft das Ziel von Karikaturen, wie in diesem «Satyrischen Bild. Ein Konzert im Jahr 1846!» von Andreas Geiger.
Erste Seite von Berlioz′ Manuskript des Programmtexts zur «Symphonie fantastique»: «Episode de la vie d′un artiste. Simphonie fantastique en 5 parties».
Der französische Flötist Louis Dorus war einer der ersten, der das Boehm-System spielte (und es gleich für den Ton gis abänderte). Die Grifftabelle in seiner Schule «L′étude de la nouvelle flûte» (Paris, ca. 1837) bildet eine Flöte von Godfroy ainé ab, wie sie hier ausgestellt ist.

Besetzung der «Symphonie fantastique»

Die «Symphonie fantastique» sieht nebst Streichern, Harfen und Schlagzeug zahlreiche Blasinstrumente mit wichtigen Stimmen vor: 1 Piccolo, 2 Flöten, 2 Oboen, 1 Englischhorn, 2 Klarinetten, 1 hohe Es-Klarinette, 4 Fagotte, 4 Hörner, 2 Trompeten, 2 Cornets, 3 Posaunen und 2 Ophikleiden.

Besetzungsliste aus Berlioz' Partitur mit vielen Korrekturen.

Ist die Klappenschlange ein Musikinstrument?

[Antwort]

Ja, es ist die «Ophikleide»! Dieser Name bedeutet «Schlange mit Klappen» (gr. Ophis für Schlange und Kleis für Klappe). Mit Schlange ist der Serpent gemeint, der Vorläufer der Ophikleide, die somit ein Klappen-Serpent ist – eine Klapperschlange.