Die Instrumente der Janitscharenmusik

Alles Orientalische kam im 18. und 19. Jahrhundert in Europa gross in Mode, etwa in Kleidung, Inneneinrichtung und auch in der Musik. «Janitscharen», türkische Militärmusiker, waren mit den osmanischen Truppen 1699 bis Wien gekommen und inspirierten unsere Musik, besonders mit ihren vielfältigen Schlaginstrumenten wie Triangel, Zimbeln und Trommeln.

Mozart setzte diese in seiner Oper «Die Entfüh­rung aus dem Serail» ein, und in seinem «alla turca» («türkischer Marsch») für Klavier imitiert die linke Hand eine Trommel.

Auch in die hiesige Militärmusik fand türkisches Schlagzeug Eingang: Die «Türkisch­-Musik» war geboren. Der auffällige Schellenbaum, osmani­schen Standarten abgeschaut, erzeugte aller­dings mehr Hintergrundgeräusch als Rhythmus. Melodie spielten Oboen, im 19. Jahrhundert dann Klarinetten. Naturhörner und ­-trompeten spielten die Mittelstimmen, Posaune, Fagott und/oder der schlangenförmige Serpent den Bass.

In der Sammlung von Karl Burri sind 17 Instrumente und 49 Notenbücher der «Türkisch-Musik» von Hundwil im Kanton Appenzell Ausserrhoden aus dem 19. Jahrhundert erhalten. Als Ensemble ist dies eine der wichtigsten Quellen zur Schweizer Blasmusik dieser Zeit.
Sie umfasst Klarinetten, hergestellt um 1800 im Appenzell, datierte Hörner aus dem 18. Jahrhundert aus Deutschland, Trompeten und Ophikleiden, sowie insbesondere die zugehörigen Notenbücher. Diese überliefern gegen 500 Musikstücke: Märsche, Walzer, «Hopser», «Feldschritt», Ländler und einige Lieder. (mehr...)

Titelbild: Eine französische «Bande turque» in Bern um 1798 (© Markwalder, Die Stadt Bern, 1927).
Besetzungsliste in einem Notenbuch der «Türkisch-Musik» von Hundwil: «Zusammen 9 Clarinetten, 1 Piccolo, 3 Corni, 2 Trombe, 2 Fagotti, 1 Trombone, 1 Serpente, 1 Catuba [grosse Trommel], 2 Caisse roulante [Rührtrommeln], 1 Halbmond [Schellenbaum], 1 paar Piatti [Becken]. Die ganze Musik besteht Tali quali [insgesamt] aus 24 Mann.»
Eine für die Zeit typische Schweizer Blasmusik hat sich für den Auftritt am Winzerfest in Vevey 1833 kostümiert. Zu erkennen sind (von rechts) die Instrumente Schellenbaum, Becken, Serpent, Klarinetten, Flöte, Posaune (über die Schulter gespielt), Hörner und Trompeten.

Die «Türkisch-Musik» Hundwil, Appenzell Ausserrhoden

Wie müssen wir uns Blasmusik im 19. Jahrhundert vorstellen?

Wie sie in der Schweiz getönt hat, vermittelt uns das umfangreiche Material aus Hundwil, das in der Sammlung Burri liegt. Die 17 Instrumente und 49 Notenbücher mit gegen 500 Stücken gewähren einen Einblick in eine «Türkisch-Musik» die Anfangs 19. Jahrhundert in Rohrschach und später in Hundwil spielte.

Die Musik ist von Hand in dicke Notenbücher notiert. Gespielt wurde wohl auswendig. In den Büchern sind für einige Daten Listen der gespielten Stücke vermerkt.

Noch ist dieses wertvolle Material nicht genügend erforscht – dies könnte letztlich zu einer Rekonstruktion eines solchen Konzerts mit nachgebauten Originalinstrumenten führen.

Die Instrumente des Hundwil-Ensembles. Die auch dazugehörigen Trommel und Schellenbaum sind heute im Museum Herisau.
Malerei der «Türkisch-Musik» Hundwil, heute im Restaurant Krone. Von links: Trompete, 2 Hörner, Klarinetten (3 in B, 1 in Es), 2 Fagotte, grosse Trommel, Cinellen, Rührtrommel, Triangel, Schellentamburin. Vgl. auch die Besetzungsliste in der Ausstellung.
Die «Türkisch-Musik» Hundwil um 1880.
Älteste Jahrzahl in den Notenbüchern: «Anno 1811 ist die jetzige Musick=Gesellschaft zusammengetretten, in der oberen Bleiche, vor dem ... ». Ist dies ein Gründungsvermerk?

WELCHER DIESER NAMEN BEZEICHNET EIN MUSIKINSTRUMENT?

1) SCHELLENBAUM

2) HALBMOND

3) CHINESISCHER HUT

[Antwort]

Alle drei! Der Schellenbaum heisst auf Englisch «Turkish Crescent» (Halbmond) und auf Französisch «Chapeau chinois» (Chinesischer Hut).